Ein besonderer Serienmarathon

Von besonderent Serien weiß Alex Schulz zu berichten und hofft auf den Start einer Siegesserie. 

Der vergangene Spieltag wird mir wie vielen 05ERN in besonderer Erinnerung bleiben.

Für mich riss dank einer ausgewachsenen Influenza eine Serie und ich musste das 6. verpasste Pflichtspiel in der 29. Saison hinnehmen. Viele werden hier denken, dass das doch zu verkraften sei, aber lasst euch gesagt sein, es fühlte sich wie ein kräftiger Tiefschlag an, als der Anpfiff aus dem heimischen TV ertönte.

Hat vermutlich was mit tiefer Verbundenheit, Vereinstreue und absoluter Hingabe zu tun, wenn man so verrückt ist. Attribute, die auf jeden Fall auf jemanden zutreffen, der in Leipzig im Gegensatz zu mir seine Serie ausbauen durfte. Stefan Bell absolvierte sein 300. Spiel in der ersten Bundesliga. Und alle für genau einen Verein! Mainz 05. Jetzt könnte ich schwärmen, wie bodenständig unser Bello ist. Wie loyal, selbst als er die Chance hatte, in womöglich andere Sphären zu wechseln. Aber ich bin mir sicher, jeder 05ER weiß das alles. Stefan Bell hat mehr Tradition als…ne…ist mir zu billig!

DANKE BELLO!

Was dabei noch auffällt: 300 Spiele mit Verletzungen und Formkrisen sind mindestens 10 Saisons in der höchsten Spielklasse. Und Stefan Bell ist ja noch ein junger Hüpfer. Die erstklassige Geschichte von Mainz 05 geht schon ein paar Jahre länger als seine Karriere. Wer will uns da noch erzählen, wir gehörten nicht in die Bundesliga?

Wenn man sieht, welche Namen und Qualität Teams wie unser Gegner von der Bank bringen, sollte man das einfach viel mehr wertschätzen. Vielleicht erinnert so ein Jubiläum manch einen mal daran. Jedes Jahr Bundesliga ist harte Arbeit und erfordert das perfekte Ineinandergreifen vieler kleiner Zahnräder.

Gerissen ist kurz nach Anpfiff leider nicht irgendeine Serie,sondern die Achillessehne bei Benedict Hollerbach. Der Junge hat es echt nicht leicht bei uns. Von Beginn an lastet ein riesen Druck dank einer Rekordablöse auf ihm und gerade als sich da was entwickelt, ist die Saison vermutlich für ihn gelaufen. Komm schnell wieder auf die Beine und zeig dann deinen Kritikern, was du für ein Kämpfer sein kannst!

Am Ende hat eine wichtige Serie gehalten: in Leipzig nicht verloren! Und besser noch, es wurden nicht unverdiente 3 Punkte mitgenommen, die uns vom direkten Abstiegsplatz verschwinden ließen. Soooo wichtig!

Dazu beendeten wir eine lange Serie an nicht gewonnenen Auswärtsspielen. Auch das wurde Zeit!

Mein Fanherz hat am Samstag ordentlich geblutet, dass ich genau zu so einem Spiel die Reise nach Leipzig nicht antreten konnte. Was aber bleibt ist die Hoffnung, dass es uns im Mai doch nochmal mit unserem Verein dorthin verschlägt. Denn wir haben ja noch einen weiteren Wettbewerb und da gibt es noch ne Serie ins Ziel zu bringen.

Bis dahin schauen wir gemeinsam, dass Bello noch vieleGelegenheiten bekommt, seine Bundesligaserie auszubauen, denn gewonnen ist leider noch nichts.

Was dabei hilft? Eine Serie an Siegen! Und die holen wir immer nur gemeinsam. Am besten live und laut im Stadion oder ausnahmsweise auch mal krank vorm TV oder Radio.

Während des Veganuarys „mehr Kohr wagen“

Dominik Kohr steht für eine kompromisslose Spielweise. Mainz 05 sollte diese Spielphilosophie während des Veganuarys auf das Catering übertragen, meint Fan-Kolumnist Christoph Kessel.

Im letzten Jahr hat Mainz 05 seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht publiziert. Zugegebenermaßen sind die 64 Seiten des Berichts nicht unbedingt leichtverdauliche Kost. Womit wir auch gleich beim Thema Catering wären. Auf Seite 13 gibt der Verein das Ziel aus, bis 2030 mindestens die Hälfte des Caterings in vegetarischer Form anzubieten.

Eine Möglichkeit, Menschen pflanzliche Kost näher zu bringen, ist der alljährliche Veganuary. Diese Wortschöpfung stammt aus den Wörtern „vegan“ und „January“, also Januar. Von einer gemeinnützigen Organisation 2014 in England gegründet, wurde in Deutschland erstmals 2019 für den Veganuary geworben. Ziel des Veganuarys ist es, Menschen im ersten Monat des Jahres die Möglichkeit zu geben, pflanzenbasierte Produkte zu probieren.

Zwar hat Mainz 05 gemeinsam mit dem Caterer im letzten Jahr das Angebot an veganen Speisen auf dem Papier erweitert: Gegenüber des M-Blocks gibt es mittlerweile ein veganes Knusperschnitzel. Es werden zwei vegane Pommes-Street-Food-Varianten hinter der Westtribüne und die vegane Bratwurst hinter dem R-Block angeboten. Allerdings wird niemand um das halbe Stadion laufen, um vegane Wurst oder Schnitzel zu kaufen – und im Auswärtsblock gibt es ohnehin nur Brezeln als vegane Option.

Wo keine flächendeckende Verfügbarkeit existiert, wird auch die Nachfrage nicht anziehen. Konterkariert wird das Nachhaltigkeitsziel noch durch Fleischkäse, der 0,50 Euro günstiger ist als alle anderen Hauptspeisen wie Wurst, Schnitzel, Pommes oder Wedges – aber gleich an vier Kiosken angeboten wird.

Ins Fußballdeutsch übersetzt spielt Mainz 05 „Angsthasenfußball“ und verteidigt so viel zu zaghaft das Klima. Der Verein sollte gerade während des Veganuarys in Zukunft „mehr Kohr wagen“, was Verfügbarkeit und Preisgestaltung von pflanzlicher Kost angeht. Ansonsten ist der Verein vom selbst gesteckten Ziel von 50 Prozent Veggie-Catering weiterhin so weit weg, wie das Männer-Profifußball-Team von der Qualifikation für die Champions League.   

Fußball oder Fastnacht? Wer die Wahl hat, hat die Qual!

Fan-Kolumnist Sebastian Schneider zu der Spielansetzung der Nullfünfer am Fastnachtswochenende – eine komplexe Situation.

Immer wieder kritisieren Fanbündnisse wie Unsere Kurve e. V. die Spieltagsansetzungspraktiken von DFB und DFL im Profifußball. Neben den vielen, teils unglücklichen Anstoßzeiten, spielt auch die Kurzfristigkeit der Ansetzungen eine wesentliche Rolle, die es vor allem Auswärtsfahrenden immer wieder erschwert, Reisen zu den Spielen zu planen. Ein beachtlicher Erfolg der Kritik von Fans findet sich in der Abschaffung der Montagsspiele wieder.

Mit der Terminierung des Spiels der 05er gegen den BVB am Fastnachtswochenende bekommt die Thematik bei uns in Mainz nun wieder Präsenz. Die Kritik ist dabei vielfältig. Auf der einen Seite ist da natürlich die Anreise an einem Freitagabend nach Dortmund. Für den Freitagabend gibt es zwar durchaus noch schlechter erreichbare Ziele, aber auch für das Spiel in Dortmund ist ein früher Feierabend zwingend notwendig, zumal die Verkehrssituation im Ruhrgebiet zum Start des Wochenendes stets unberechenbar ist. Also auch ohne Fastnachtswochenende schon nicht ohne Weiteres ein Leichtes, das Spiel vor Ort zu sehen.

Auf der anderen Seite ist für alle Fans der Straßenfastnacht der Rest des Wochenendes frei, um die diversen Fastnachtsumzüge in und um Mainz zu besuchen. Sicher ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Jedoch bleibt allergrößte Wunsch aller 05-Fans, einmal ein Heimspiel am Fastnachtssamstag um 15:30 Uhr zu erleben, sicher weiterhin ungehört. Dies ist extrem schade, zeigen doch die Fans oder auch die Stadionsitzungen, wie gut Fastnacht und Fußball zusammenpassen.

Was allerdings der diesjährigen Spieltagsansetzung die Krone aufsetzt, ist, dass die Partie in Dortmund parallel zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz – wie es singt und lacht“ stattfindet. So wie es für sehr viele Menschen in Mainz einfach zur Fastnacht dazugehört, freitags die Live-Sitzung zu verfolgen, so gehört es bei diesen auch häufig dazu, die Auswärtsspiele der 05er zu verfolgen. Nun zwingen die Planer aus Frankfurt die Fans, eine schwere Entscheidung zu treffen. Wer die Wahl hat, hat die Qual, sagt ein bekanntes Sprichwort.

An diesem Abend steht dann Kulturgut Fußball gegen Kulturgut Fastnacht. Wenn man dazu noch sieht, dass die Medienanstalten das Spiel dann im frei empfangbaren TV zeigen, wird schnell deutlich, welch perfider Plan hinter dieser Ansetzung steckt. Es geht vor allem darum, Einschaltquoten von der Fernsehsitzung abzugreifen. Leider geht dies alles wieder auf Kosten der Fußballfans – allerdings in gleichem Maße auch auf Kosten der Fastnacht. Sehr schade!

Auswärts fahren versus Spiel im TV versus Fernsehsitzung. Letztendlich werden bei vielen Menschen schwere Entscheidungen zu treffen sein. Technische Hilfe bieten die Split-Screen-Variante oder ein Zweitgerät. Für viele ist die Fernsehsitzung ein Gemeinschaftsevent mit Freunden, Nachbarn und Bekannten, welches sicher nur ungern gecancelt wird. Lassen wir uns also überraschen und appellieren erneut nach Frankfurt für mehr Rücksicht auf lokale Gegebenheiten bei der Spieltagsterminierung, wie hier bei uns in Mainz, wenn Fußball auf Fastnacht trifft.